Landwirtschaft
Die ersten Kolonisten der La Réunion betrieben Landwirtschaft nur für ihren eigenen Gebrauch und für die vorbeikommenden Handelsschiffe. Es dauerte jedoch nicht allzu lange, bis die Bewohner der Insel sich zu bereichern suchten, indem sie importierte Pflanzen aus der gesamttropischen Welt auf der La Réunion einführten und sie wirtschaftlich anbauten. Das war der Anfang der wirtschaftlichen “Spekulationen” auf der Insel…
Es kommt nicht selten vor, dass ein reunionaisischer Bauer heute noch von den Spekulationen in Bezug auf die Pflanzen, die er anbaut, spricht. Man hatte großartige Hoffnungen und Träume auf dieser kleinen Insel, als man begann, wertvolle Pflanzen für den weltweiten Handel anzubauen.
Die Anfänge
Die ersten Kolonisten betrieben vor allem den Anbau von Reis, Tabak und Wein: Pflanzenkulturen, deren Anbau aufwendig ist und die schlecht an die Gegebenheiten auf der La Réunion anzupassen sind. Der Anbau dieser Pflanzen genügte jedoch den Bedürfnissen der Bewohner. Auch Baumwolle, Hanf und die Aloe wurden für die Taue der Schiffe angebaut. Der Rohrzucker war schon zu dieser Zeit auf die Insel gekommen, aus dem die Kolonisten kandierten Zucker herstellten. Sein gegorener Saft war einem Wein sehr ähnlich. Keine dieser Pfanzen war auf der Réunion heimisch. Die einzige wertvolle Pflanze auf der Insel war das Edelholz “Bois des Iles”, zur unendlichen Freude der Seefahrer, die auf ihrer Route nach Indien und Südostasien bei der Insel vorbeikamen. Die Réunion hatte zu diesem Zeitpunkt einen sehr kleinen Tierbestand, und die Kolonisten sorgten dafür, dass nicht wenige Arten – wie die Schildkröten – ausgelöscht wurden.
Die Indienkompanie
Als die französische Indienkompanie begann, sich immer mehr für den Indischen Ozean und besonders für die Réunion zu interessieren – das war ungefähr um die Zeit, als La Bourdonnais 1735 auf der Insel eintraf -, entwickelte sich eine Kultur des Exports auf der La Réunion. Es war auch der Beginn der großen Ära des Kaffees, aber auch – dank der Erkundungsfahrten der großen Entdecker – der Anfang der Einführung vielfältiger anderer Pflanzen. Jeder Kapitän sammelte auf seinen Entdeckungsreisen Pflanzen ein, die ihm wertvoll oder nützlich erschienen, die man als Nahrungsmittel verwenden (Einführung des Manioks und der Chayote) oder die man für den Export anbauen konnte (Einführung der Gewürze, von Pflanzen zur Herstellung von Duftstoffen und der Vanillie).
Die Landwirdschaftskrise auf der La Réunion
Im 19. Jahrhundert hatte die Landwirtschaft auf der Réunion alle Schlüssel in der Hand, um äußerst gewinnbringend ihre Produkte in aller Welt zu verkaufen: billige Arbeitskräfte (die Sklaven) und wertvollste und ertragreichste Pflanzen der Welt. Aber das Ende der Sklaverei bedeutete auch das Ende der landwirtschaftlichen Monopolstellung der Landwirtschaft in den Kolonien. Seitdem stellen die weite Entfernung der Insel von den europäischen Märkten und die hohen Kosten der Produktion ein enormes Handicap für die Landwirtschaft der Insel dar.
Die Folge war, dass die Réunion den Anbau von verschiedenen Pflanzen ausprobierte, um deren wirtschaftliche Rentabilität zu testen: Gewürze, Vanillie, verschiedene Pflanzen zur Herstellung von Duftstoffen. Die Produktion florierte kurzzeitig und wurde dann wieder eingestellt. Man experimentierte auch mit Pflanzen zur Herstellung von Farben, mit Baumwolle, Seidenraupen, Maniok, Kakao, Tee, Tabak, Aloe, Mais und sogar der Aufzucht von Sträussen. Paradoxerweise wird der Reis, den die Inder auf die Réunion gebracht haben und der so sehr ein fester Bestandteil der kreolischen Küche der Insel geworden ist, nicht vor Ort produziert. In Asien ist nämlich die Produktion um ein Vielfaches billiger…
Lesen Sie außerdem:
Geschichte des Zuckerrohrs: Das Zuckerrohr wurde im 17. Jahrhundert von der Insel Java und aus Madagaskar importiert und auf der La Réunion eingeführt. Es diente am Anfang nur zur Herstellung von Alkohol und als Viehfutter…mehr
Ackerbau und Handel: Anfang des 18. Jahrhunderts begann man im großen Stil den landwirtschaftlichen Anbau auf La Réunion. Besonders der Kaffee und die Gewürze wurden auf der Insel sehr ertragreich angebaut für den internationalen Handel….mehr

