Chinesische Gemeinschaft
Einige Jahre vor der Abschaffung der Sklaverei auf der Insel machten sich die Plantagenbesitzer auf die Suche nach neuen und billigen Arbeitskräften, die auf ihren Feldern arbeiten sollten. Chinesische Arbeitskräfte erfüllten die Voraussetzungen, da sie hinreichend Erfahrung in der Landwirtschaft hatten. Am 13. Juni 1844 gingen die 54 ersten Chinesen an den Küsten der La Réunion an Land und wurden mit offenen Armen empfangen. Das lag vor allem daran, dass sie robuste, fleissige und disziplinierte Arbeiter waren. Später kamen noch 110 andere chinesische Einanderer hinzu, die für öffentliche Arbeiten und Ackerbau eingestellt wurden. Ihre Transportbedingungen ähnelten denen der Inder, die Schiffe waren genauso überladen. Zu trinken gab es säuerliches Wasser, angereichert mit Zitrone, Alkohol oder Essig. Sie lebten auf der Insel in Lagern, und ihre Verträge sahen regelmässige Mahlzeiten aus Reis, salzigem Fisch oder Gemüse vor. Ausserdem wurde ihnen Rum, Sirup und Holz zum Kochen gegeben.
Von den chinesischen Immigranten blieben jedoch nur die Hälfte. Die andere Hälfte ging am Ende ihrer Zeitverträge wieder zurück nach China oder woanders hin. Die meisten Chinesen von denen, die geblieben waren, wurden nach dem Ende ihrer Arbeitsverträge Händler und machten ihre eigenen Geschäfte auf. Immer mehr Chinesen kamen auf die Insel, und der Handel der Chinesen blühte immer mehr auf. Ab 1862 durften die Chinesen ohne feste Arbeitsverspflichtung nach La Réunion kommen und die meisten von ihnen begannen in den Geschäften der ersten chinesischen Einwanderer zu arbeiten, bevor sie ihre eigenen eröffneten, dank der gegenseitigen Unterstützung und Solidarität innerhalb der chinesischen Gemeinschaft. Andere wurden Fuhrmänner, Schneider, Getreidehändler, Strassenhändler, Bedienstete oder Gärtner. Am Anfang des 20. Jahrhunderts gingen viele wieder zurück nach China, um eine Frau zu finden und sich mir ihr auf La Réunion niederzulassen oder ihre Familien aus China auf die Insel zu bringen.
Die Chinesen auf der Insel sind heute immer noch Inhaber der berühmten “chinesischen Boutiquen”, Läden, die alles für das tägliche Leben zu bieten haben: Lebensmittel, Metallwaren, Kurzwaren, Medikamente, etc. Sie haben den Einzelhandel der Insel fest in der Hand und beliefern die Bevölkerung mit wichtigen Waren. Die Kundentreue sichern sie mit einem Bezahlungssystem auf Kredit, eingetragen in dem “Kreditheft” des Kunden. Die chinesische Gemeinde hat eine entscheidene Rolle in der Ernährung auf der Insel gespielt. Sie waren die ersten, die Restaurants auf La Réunion eröffneten, und bald wurden ihre Gerichte auch von der gesamte Bevölkerung gegessen und ihre Zutaten in der Küche der Insel verwendet. Die Chinesen befinden sich heute an der Spitze der Handelsnetzwerke der Insel, und die jüngsten Generationen gehen immer mehr in neue, gut bezahlte Berufe, sie werden Ärzte, Apotheker oder Verwaltungsbeamte.

