Die Reunionesen
Ein Völkercocktail
Die Bevölkerung auf der Insel La Réunion ist auf der Welt einzigartig. Die Reunionesen kommen aus 10 verschiedenen Teilen der Welt, von drei Kontinenten. Ein wahrer Kulturen- und Rassencocktail. Am Anfang der Besiedlung der Insel gab es auf La Réunion fast nur Männer. Die Frauen, die sich den zugewanderten Europäern anschlossen, kamen aus Madagaskar oder waren portugiesisch-indische Mischlinge aus Goa. Trotz dieser anfänglichen Mischlingspolitik ermutigte und organisierte die Indienkompanie den Handel mit Afrikanern aus wirtschaftlichen Gründen. Die Schwarzen, die für die Maskarenen bestimmt waren, kamen von der afrikanischen Westküste, wo die arabischen und portugiesischen Sklavenhändler als Zulieferer agierten. Bezeichnet als “Kafir” – ein arabisches Wort, das treulos bedeutet – gehörten diese Afrikaner tatsächlich verschiedenen Bevölkerungsgruppen an, die teilweise tief aus dem Landesinneren des Kontinents stammten. Dazu kamen noch die Sklaven aus Madagaskar, die noch zahlreicher auf La Réunion waren.
Eine vielfältige Kultur
Es kamen auch indische Sklaven auf die Insel, aber die grosse Welle der indischen Migranten kamen nach Abschaffung der Sklaverei auf La Réunion und betraten die La Réunion als freie Immigranten, als Zeitarbeiter. Diese Neuankömmlinge brachten neue Bräuche und ihre Kultur auf die Insel. Noch nach vielen Generationen haben die Nachkommen dieser Inder ihre kulturelle Identität bewahrt, mehr noch als die Nachkommen der Afrikaner und Madagassen: ihre Küche, ihre Musik und ihre Religion, der Hinduismus. Ihre Tempel säumten die gesamte Küste, wo sich die Rohrzuckerfelder und -fabriken befanden. Als freie Menschen übten sie ungestört ihre traditionellen Bräuche aus, auch wenn die christliche Kirche auf der Insel ihnen ihren Glauben aufzwingen wollte. Es trafen mit den Indern auch Immigranten aus China, aus Annam, Polynesien und Australien ein.
La Réunion der Farben
Die Chinesen kamen immer zahlreicher auf die Insel, sie flohen von den politischen Umstürzen in China und betätigten sich auf La Réunion im Lebensmittelhandel. Ihnen folgten weitere Inder, diesmal kamen die Einwanderer aus dem Norden des Subkontinents, aus einer muslimischen Region. Sie werden bald auf der Insel als “Araber” bezeichnet und nehmen einen wichtigen Platz im Texilienhandel ein. La Réunion akzeptierte die vermehrte Einwanderung und die Vermischung der Bevölkerungsgruppen.
La Réunion der Mischlinge
Vermischung der Hautfarben, Vermischung der Sprachen: die kreolische Sprache ist erschaffen worden aus der Vereinfachung des Altfranzösischen für die Verständigung mit den aus dem Ausland kommenden Sklaven und aus der Vermischung mit den Sprachen dieser Sklaven. Das Kreolische der La Réunion bleibt die wichtigste Sprache für die Verständigung auf der Insel, auch wenn die Amtssprache Französisch ist. Auch die reunionesische Folklore ist gemischt. Ihre afrikanischen Wurzeln findet man im Maloya, der rythmischen Musik der Sklaven.
Die reunionesische Bevölkerung
Die afrikanischen Sklaven auf der Insel haben die europäischen Gesellschaftstänze in einen eigenen Tanz umgewandelt, daraus entstand der Sega, ein fröhlicher Paartanz. Humor und Romantik inspirieren diesen Musikstil, der heute überall auf der La Réunion, in Bars, Hotels oder Diskotheken, zu finden ist. Der Besucher auf der Insel kann sich selber beim Séga versuchen, auf den Hüftschwung kommt es an! Die reunionesische Bevölkerung ist eine gemischte und multikulturelle Gesellschaft, die die Schranken der Hautfarbe längst überschritten hat. Die Schönheit der Bevölkerung ist das Ergebnis der Verschmelzung von Kulturen und Völkern.

