La Buse, der einzige Pirat der La Réunion, der mit der Insel “spielte”
August 25, 2012 No CommentsDer berühmte Pirat La Buse war nach heutiger Einschätzung trotz der vielen Legenden, die um ihn gesponnen werden, kein “grosser” Pirat. Er wird kaum in den schriftlichen Quellen der Epoche erwähnt, nur in einigen schriftlichen Hinterlassenschaften von anderen Piraten und immer in einer anderen Schreibweise (“la Bouche”, “la Bouse”…). Trotz allem bleibt er weiterhin der berühmteste Pirat der La Réunion. Eine Spurensuche…
Zwei Gründe sind prinzipiell anzuführen, die die legendenhafte Berühmtheit von La Buse erklären: Er ist der einzige Pirat, der auf La Réunion gehängt wurde. Und er ist der einzige, der die allgemeingültige Regel der Piraten auf der Insel gebrochen hat: den Schutz der Insel unter allen Umständen zu gewährleisten und keine Revolten anzuzetteln.
Tatsächlich hat La Buse den einzigen Angriff eines Piraten vor den reunionesischen Küsten geführt: Er überfiel die portugiesische Galleone Virgem Do Cabo (Die Jungfrau vom Kap), die nicht geringeres an Bord hatte als das legendäre feurige Kreuz von Goa – ein zwei Meter hohes goldenes Kreuz, besetzt mit Diamanten, Smaragden und Rubinen. Bei der Galleone handelte es sich immerhin um ein 800 Tonnen schweres und mit 72 Kanonen ausgerüstetes Schiff, das durch einen Sturm beschädigt worden war.
Wir schreiben den 20. April 1720 und La Buse (mit richtigen Namen Olivier Levasseur, geboren in Calais) ist 40 Jahre alt. Sein Vater war schon als Freibeuter tätig, und der junge Olivier hat sich den Spitznamen eines Raubvogels zugelegt, da er sich mit atemberaubender Schnelligkeit auf seine Beute stürzte. Für den Angriff auf die Virgem Do Cabo tat er sich mit einem anderen berüchtigen Piraten zusammen, dem Kapitän Taylor.
La Buse und Taylor teilen sich anschliessend Schiff und Beute (Diamanten, Schmuck, Gold, Silber, kostbare Stoffe…) aber geraten alsbald in Streit miteinander und gehen fortan getrennte Wege. Das Schiff, das Le Victorieux getauft wurde, bleibt Eigentum von La Buse, der daraufhin La Réunion verlässt und nach Madagaskar geht. Dort, in der Bucht von Antongil stellt er seine Dienste vorbeifahrenden Schiffen zur Verfügung.
Eines Tages geht er an Bord der La Méduse, aber der Kapitän des Schiffes, das der Indienkompanie angehört, erkennt und verhaftet ihn. Er wird nach La Réunion ausgeliefert und dort am 7. Juli 1730 verurteilt. Er wurde um fünf Uhr abends hingerichtet. Man sagt, dass er auf dem Schafott das berühmte Kryptogramm, das den Weg zu seinem vergrabenen Schatz weisen soll, in die Menge geworfen hat. Eine Legende, die immer noch sehr lebendig auf der Insel ist, trotz aller erfolgloser Suchen.
Der bekannteste Schatzsucher auf La Réunion war ohne Zweifel Bibique, der mit richtigen Namen Joseph Tipveau hiess. Er verstarb 1995 nach 60 Jahren als Schatzsucher auf der Insel. Für ihn gab es nie einen Zweifel daran, dass La Buse seinen Schatz in einer Schlucht zwischen Saint-Denis und La Possession versteckt hat. Die genauen Details seiner Suche sowie andere ungewöhnliche Seiten der Insel können in seinen Büchern nachgelesen werden: “Sur la piste des frères de la Côte” (Auf der Spur der Piraten) oder “Editions de la Réunion insolite” (Über die aussergewöhnlichen Seiten der La Réunion).
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