Die Sklaverei
Die Entscheidung für die Sklaverei in den Kolonien wurde in Paris getroffen. Die Kolonien sollten mit dem Anbau von kostbaren Handelswaren kommerziell ausgebeutet werden (Kaffee, Gewürze und Zuckerrohr), statt die Entwicklung mit der Ansiedlung von Freiwilligen aus Europa zu gestalten. Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit war die Folge dieser Politik: die Gefangennahme und Zwangsarbeit von hunderttausenden Menschen, wenigstens alleine 150.000 für Bourbon (alter Name der Insel La Réunion).
Die Sklaverei ist so alt wie die Menschheit, und man bediente sich oft aus dem afrikanischen Kontinent. Jedoch stellte das Ausmaß des Menschenhandels im 18. Jahrhundert, den Europa betrieb, alles Vorherige in den Schatten. Das religiöse Europa rechtfertigte diesen Menschenhandel und die Versklavung hunderttausender von Afrikanern für die Kolonien mit Erklärungen wie “man müsse ihre Seelen retten” oder “die Armen aus ihrem Elend befreien”.
Die Sklaven waren der Besitz ihrer Eigentümer und hatten keine höhere Stellung als das Vieh oder ein Möbelstück. Und sie durften nie mehr in ihre Heimat zurückkehren. Die Satzung der Indienkompanie verbot prinzipiell die Sklaverei, jedoch untersagte de la Haye ab 1674 die Ehe zwischen Schwarzen und Weißen, und eine Urkunde aus dem Jahre 1679 berichtet den ersten Verkauf von Sklaven auf Bourbon. 1750 kamen schon fünf Skaven auf einen freien Bürger.
Die Sklaven auf Bourbon kamen aus Ostafrika, aus den arabischen und spanischen Kontoren in Mosambik oder auf Kilwa, oder aus Madagaskar, wo die Oberhäupter der Küstendörfer die Sklaven einfingen und verkauften. Es gab sogar manchmal auch einige Inder oder Chinesen unter den Sklaven. Sorgfältig ausgewählt und schon vor ihrer Verschleppung markiert waren die Sklaven meist junge Männer. Die Besitzer wollten Arbeitskräfte, die leistungsfähig und sofort einsetzbar waren.
Wurden die Sklaven auf Bourbon schlecht behandelt? Die Meinungen sind aus Mangel an objektiven Zeugnissen aus dieser Zeit gespalten. Sicher ist, dass es brutale Herren gab, jedoch viele hatten kein Interesse daran, die “Ware” zu beschädigen, die sehr teuer war, da ein Sklave viel mehr als mehrere Pferde wert war. Als wichtigste Arbeitskräfte auf den Anwesen wurden die Sklaven im Allgemeinen relativ gut ernährt. Dagegen hatten sie keinerlei Rechte. Sie durften nicht ohne Erlaubnis spazieren gehen, nicht heiraten, wen sie wollten, oder über keinen Besitz verfügen.
Die Befreiung aus der Sklaverei als Belohnung der “bons Noirs” blieb bis ins 19. Jahrhundert äußerst selten. Dagegen wurden alle Formen des Ungehorsams hart bestraft. Trotz allem lassen sich sehr wenig Sklavenrevolten auf der Insel verzeichnen. Viele Sklaven flüchteten sich aus der Sklaverei in die Berge, wo sie marrons – Flüchtige – wurden. Die “Säuberung” der Berge und Gebirgskessel durch die Sklavenjäger wurde zu einem Kapitel grausamer und blutiger Guerillakämpfe auf der Insel.

