Die ersten Entdecker
Zweitausend Jahre lang wurde der Indische Ozean vom orientalischen Handel beherrscht. Schon die alten Ägypter, Phönizier und die alten Griechen sollen mit Indien und China Handel getrieben haben. Da ihre Schiffe kaum für die Hochsee geeignet waren, betrieben sie fast ausschließlich eine Schifffahrt entlang der Küsten, von Hafen zu Hafen.
Jahrhunderte später erbten die Araber die im Altertum etablierten Handelsrouten. Ihre Handelskontore vermehrten sich schnell entlang der afrikanischen Küste, da der Islam in Afrika sich besser durchsetzen konnte als im buddhistischen Zentral- und Ost-Asien. Die Küste von Madagaskar und die Komoren wurden dementsprechend früh kolonisiert. Man ist sich heute nicht ganz sicher, wann genau die arabischen Schiffe die Maskarenen entdeckten. Vielleicht suchten sie nach einer direkteren Route in den Fernen Osten und wurden durch einen Zyklon vom Kurs abgebracht. Man weiß heute aber, dass die Araber die Inselketten lange vor den Europäern kannten. Jedoch siedelten sie sich nicht an. Die Inseln waren für sie zu weit abgelegen und ohne erkennbare Schätze. Sie stellten also für die Araber kein Interesse dar – außer als Stützpunkt auf ihrer Passage in den Orient.
Die ersten Europäer
Warum begannen die Europäer erst im 15. Jahrhundert, die Welt zu erforschen? Die Gründe sind zahlreich. Jahrhunderte lang führten die großen europäischen Mächte gegeneinander Krieg (der hundertjährige Krieg hat erst 1453 sein Ende gefunden). Außerdem blockierten die islamischen Mächte den europäischen Vorstoß in den Orient und waren eine ständige Bedrohung (die Türken verbreiteten sich immer mehr in Ost-Europa). Schließlich war die europäische Schifffahrt erst im 15. Jahrhundert so weit technisch entwickelt, dass die Schiffe auch hochseetüchtig waren.
Jedoch noch bevor die ersten portugiesischen Entdecker und Eroberer in die Südsee aufbrachen, stießen die Chinesen in den Indischen Ozean vor. Der chinesische Admiral Zheng He befuhr im Jahre 1430 die Straße von Mosambik mit gewaltigen Dschunken und tausenden von Männern. Auch sie waren auf der Suche nach neuen Territorien. Doch waren sie nicht auf Reichtümer aus Übersee angewiesen. Die einzige Bedrohung kam für sie aus den Steppen. Sie sahen daher keinen Grund, sich anzusiedeln und fuhren wieder zurück, ohne eine Kolonie gegründet zu haben.
Die Portugiesen dagegen kolonisierten die Gebiete, die sie bereisten. Sie erforschten die afrikanische Küste und entdeckten das Kap der Guten Hoffnung auf der Suche nach neuen Handelsräumen. Man sagt, dass der berühmte portugiesische Seefahrer und Entdecker des Seewegs nach Indien, Vasco da Gama (Bild links), als er Indien 1497 erreichte, ausrief: „Für Christus und die Gewürze!“. In nur wenigen Jahren vermehrten sich die portugiesischen Kolonien und Handelskontore in Afrika und Asien. Die Portugiesen blieben trotz allem nicht lange die Herren über den Seehandel, aber sie prägten dennoch die Handelswege über die afrikanischen Küsten und nach Indien. Auf ihren Handelsrouten wiederentdeckten sie die Inseln, die schon die Araber Jahrhunderte vor ihnen besuchten. Auf diesem Wege fanden die Maskarenen langsam ihren Weg in die Geschichte.

