Duell mit England
Zwei europäische Großmächte bekämpften sich über Jahrhunderte um die wirtschaftliche und politische Vormachtstellung in der Welt. Die französisch-englische Rivalität manifestierte sich nicht nur in Europa, sondern auf der ganzen Welt. Schon während der Zeit von La Bourdonnais waren die Kontore in Indien Anlass für zahlreiche Auseinandersetzungen zwischen diesen beiden ähnlich starken Mächten. Das Duell zwischen ihnen um Indien blieb sehr lange unentschieden.
Die französische Revolution und Napoleon jedoch veränderten die Situation in Übersee. Der französische Königsmord und die Revolution machten Frankreich innen und außen verwundbar. Durch die Machtergreifung Napoleons und seine Eroberungszüge in Europa wurde ein französisch-englischer Krieg unausweichlich, um den Thronräuber Napoleon zu stürzen. Die Siege in den Seeschlachten bei Abukir und Trafalgar machten die maritime Überlegenheit Englands deutlich.
Auch in Übersee gewann England immer mehr die Oberhand, auch wenn sich die französischen Kolonien gegen die Engländer zu behaupten versuchten. Als Pondicherry 1803 fiel, richtete sich die Aufmerksamkeit der englischen Schiffe auf die Maskarenen. Dort war eine Korsarenflotte stationiert, die sich gegen die Engländer zur Wehr setzte. Nach der Einnahme von Kapstadt, nachdem sie die Holländer in der Schlacht am Boubergstrand 1806 besiegt hatten, hatten die Engländer einen ausgezeichneten Stützpunkt in Afrika, von dem aus sie die Maskarenen angreifen konnten.
Im Jahre 1809 fiel Rodrigues in englische Hand, da die Insel wenig kolonisiert war und kaum verteidigt wurde. Von Rodrigues aus griffen die englischen Schiffe La Réunion – wie die Insel Bourbon nach der französischen Revolution jetzt genannt wurde – und die Ile de France (jetzt Mauritius) an und richteten eine Blockade gegen die Inseln ein. Die Réunion wurde in Sainte-Rose und Saint-Paul angegriffen, wo die Engländer im September 1809, ohne auf großen Widerstand zu stoßen, an Land gingen. Sie blieben drei Wochen.
Dieser Vorstoß war nur einer in einer Reihe von Angriffen. Im Juli 1810 nahmen die englischen Schiffe St. Denis in die Zange. Eine heftige Schlacht auf dem Plateau La Redoute diente nur dazu, die Ehre der Inselbewohner zu retten. La Réunion wurde von den Engländern eingenommen. Die französische Marine behielt trotz allem wichtige Stützpunkte auf der Ile de France (jetzt Mauritius), von denen aus sie trotz der Blockade die englische Flotte angriff. Ein Réunionnaise aus Saint-Benoît, Bouvet, wurde berühmt im größten Sieg der französischen Flotte in den Napoleonischen Kriegen. Bei Grand Port (Ile de France) bescherten die Franzosen im August 1810 der englischen Flotte eine schwere Niederlage, in der die Engländer vier Schiffe verloren.
Jedoch schon im Dezember desselben Jahres gingen die Engländer mit 10.000 Mann im Norden der Ile de France an Land und marschierten nach Port-Louis. Die Insel, die wieder in Mauritius umbenannt wurde, und Rodrigues werden nie wieder zu Frankreich gehören, aber im Gegenzug wurde La Réunion wieder im Jahre 1815 an den französischen Thron übertragen.

